Neubau 1999-2002

Wir bauen ein neues Tierheim!

Michael Wonka, 1.Vorsitzender

Bevor wir diese Aussage aus der Überschrift treffen und noch dazu mit einem Ausrufezeichen versehen konnten, war ein langer, z.T. recht steiniger Weg zurückzulegen und reichlich Fragezeichen auszuräumen. Über den bisherigen Verlauf der Verhandlungen und den jetzigen Stand möchte ich Ihnen wie folgt, berichten: Bereits seit 1993 wurden Überlegungen angestellt, entweder unser baulich marodes und den gewachsenen Ansprüchen nicht mehr genügendes Tierheim zu sanieren oder an anderer Stelle einen angemessenen Neubau, der den modernen Anforderungen Genüge tut, zu errichten. Hier fanden lose Gespräche, v.a. mit der Stadt Bamberg statt, die jedoch zunächst wenig konkrete Gestalt angenommen hatten. Seitens der Stadtverwaltung wurden einige Standorte angedacht.

Im Mai 1996 fand hier eine gemeinsame Besprechung zwischen Vertretern des Tierschutzvereins und dem Wirtschaftsreferat der Stadt Bamberg statt. Die Angelegenheit wurde aber nicht mit besonderer Dringlichkeit befasst. Im Januar 1997 teilten wir dann der Stadt Bamberg mit, dass nun mit Nachdruck an dem Projekt „Umsiedlung des Tierheims“ gearbeitet werden müsse, weil dringliche und unaufschiebbare Renovierungen ins Haus stehen, die nur dann wirtschaftlichen Sinn machen, wenn das Tierheim am alten Standort verbleibt. Zunächst favorisierte man ein Gelände an der Geisfelder Straße, der früheren MUNA. Dieser Standort wurde aus verschiedenen rechtlichen Gründen verworfen.

Das erste wirklich konkrete Gespräch fand dann im Juni 1997 statt. Hier haben wir deutlich gemacht, welche Anforderungen, v.a. von der Größe her, an ein neues Grundstück zu stellen sind und dass es allein mit der Grundstücksbereitstellung nicht getan ist, vielmehr auch ein kräftiger Baukostenzuschuss notwendig sein wird.

Mit dieser Forderung stießen wir natürlich nicht sofort auf offene Ohren, dennoch ist es uns gelungen, die Stadt Bamberg zu überzeugen.. Hier wurde uns auch erstmalig das Grundstück in Gaustadt am Rothofer Weg vorgeschlagen. Nach intensiver Suche war dies der einzige mögliche Standort. Dieses Grundstück ist für unsere Zwecke bestens geeignet, weshalb sich die weiteren Verhandlungen dann auf diesen Standort festgelegt haben.

Anschließend legten wir über unseren Architekten Peter Schickel eine Vergleichsanalyse mit anderen Tierheimen und eine darauf basierende Kostenschätzung vor. Diese Kostenschätzung war dann die erste konkrete Gesprächsgrundlage, um die Verhandlungen mit der Stadt Bamberg fortzuführen.

In den späteren Gesprächen fand dann letztlich eine Annäherung statt, wobei es gelang, der Stadt Bamberg einen kräftigen Baukostenzuschuss in Höhe von DM 550.000.- (!!!) abzuringen. Im April 1998 fasste der Bausenat des Stadtrates der Stadt Bamberg dann einen Grundsatzbeschluss zum Erwerb des Grundstückes am Rothofer Weg zum Zwecke der Verlagerung des Tierheims nach Gaustadt.

Im September 1998 beschloss der Bausenat dann den zuvor zugesagten Baukostenzuschuss in Höhe von 550.000.- DM mit der ‚Auflage‘, dass der Tierschutzverein finanzielle Eigenmittel in Höhe von 400.000.- DM aufbringt. Diese Summe ist von unserer Seite gewährleistet.

Ausgehend von der ursprünglichen Schätzung von 1,3 Millionen DM Baukosten ergab sich immer noch eine Deckungslücke von 350.000.- DM. Hier fand dann am 19.10.98 ein Gespräch im Rathaus statt, an dem neben Oberbürgermeister Lauer auch Landrat Dr.Denzler sowie zahlreiche Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden im Landkreis teilgenommen haben. Das Ergebnis dieses Gesprächs war hocherfreulich. Es herrschte allgemeine Einigkeit darüber, dass die Verlagerung und der Neubau des Tierheims dringend notwendig ist. Seitens des Landkreises wurde die Zusage gegeben, ebenfalls einen Baukostenzuschuss aus Haushaltsmitteln des Landkreises beizusteuern, so dass die Finanzierungslücke endgültig geschlossen werden konnte.

Damit waren der Grundstein für das Projekt gelegt und die schwersten Steine auf dem Weg beiseite geräumt.

Am 26.10.1998 haben wir dann beim Bauamt der Stadt Bamberg eine Bauvoranfrage eingereicht, um durch den Bausenat feststellen zu lassen, dass das Vorhaben eines Tierheims an dem Standort Rothofer Weg in Gaustadt planungsrechtlich zulässig ist. Gegen das Vorhaben wurden dann einige Einwendungen von Nachbarn erhoben. Vor allem wurden Bedenken wegen des vom neuen Tierheim ausgehenden Lärms laut.

Eigentlich sollte dann am 20.Januar 1999 in der Sitzung des Bausenats über das Projekt entschieden werden. Der Senat sah sich jedoch zu einer Entscheidung nicht imstande und vertagte sich auf den 10.Februar, wobei dann eine Ortbesichtigung durchgeführt werden sollte. Vor dieser Ortbesichtigung fand eine Veranstaltung des Bürgervereins Gaustadt statt, an der Vertreter des Tierschutzvereins und der Stadtverwaltung den besorgten Bürgern Rede und Antwort standen. Wir haben zwar versucht, die Bedenken insbesonderer hinsichtlich der Lärmproblematik auszuräumen, was aber wohl bis zum heutigen Tag nicht vollständig gelungen ist. Natürlich nehmen wir die Sorgen der betroffenen Bevölkerung ernst und werden darauf bei der Planung und beim Bau Rücksicht nehmen. Dabei sind wir der sicheren Überzeugung, dass die einzuhaltenden Lärmwerte mit entsprechenden baulichen Maßnahmen keinesfalls überschritten werden.

Schließlich wurde unsere Bauvoranfrage durch den Bausenat positiv entschieden, so dass wir also jetzt mit Vehemenz an die weitere Planungsarbeit und schließlich die Verwirklichung des Projektes gehen können.

Vor Weihnachten 1998 hatten wir einen Spendenaufruf an unsere Mitglieder gerichtet und wurden von der Resonanz regelrecht erschlagen. Anlässlich unseres „Tages der offenen Tür“ zum 50-jährigen Vereinsjubiläum haben wir ein Sonderkonto „Neues Tierheim“ unter der Kontonummer 578 330 300 bei der Stadtsparkasse eingerichtet.

Der Spendenaufruf ließ den Stand dieses Kontos sehr schnell steigen, womit ein ganz wesentlicher Beitrag zur Finanzierung geleistet wurde und nach wie vor wird, denn es gehen immer noch Spenden auf dieses Konto ein. Dabei hat uns besonders gefreut, dass sich die eingehenden Spenden nicht nur aus größeren Summen zusammensetzten. Vielmehr gab es auch kleine und kleinste Spenden, die uns aber genauso wichtig sind, weil uns damit gezeigt wird, dass doch ein ganz erheblicher Rückhalt bei unseren Mitgliedern vorhanden ist und jeder nach seinen Mitteln zur Verwirklichung dieses Projekts beitragen will und um das Wohl der Tiere besorgt ist.

Nachdem jetzt die planungsrechtliche Zulässigkeit geklärt ist, geht es an die Feinarbeit für die Genehmigungsplanung. Wir hoffen, im Frühsommer dieses Jahres den Bauantrag vorlegen zu können und wollen jedenfalls noch im Herbst 1999 mit dem Neubau beginnen!

Bamberg, Frühjahr 1999


Entwurfsbeschreibung des neuen Tierheims

Baugrundstück:tierheim_01

Für den geplanten Tierheimneubau stellt die Stadt Bamberg das nichterschlossene Grundstück mit den Teil-Flurnummern 292/2 und 292/3 zur Verfügung. Dieses Grundstück ist Nord-Süd orientiert und hat ein leichtes Gefälle zur Diagonalen Richtung Nordosten. Das südwestliche Teilgrundstück mit der Flurnummer 292/3 ist eine ehemalige kleine Mülldeponie und jetzt z.T. mit Laubholz und Gestrüpp bewaldet. Im Zuge des Tierheimneubaues soll dieses Teilgrundstück gesäubert und renaturiert werden.

Erschließung (Verkehr):

Die zum Rothof und zur Tierklinik Gaustadt führende Erschließungsstraße begrenzt das Grundstück nach Süden hin. Parkplätze für Besucher, Personal und Helfer sind in Straßennähe angeordnet und durch eine kurze Einfahrt angebunden. Da auf der schmalen Erschließungsstraße selbst kurzzeitiges Abstellen von PKW’s aus Sicherheitsgründen ausscheidet, werden auf dem Grundstück 14 (Besucher-) Parkplätze vorgesehen, die gegebenenfalls später auf insgesamt ca. 30 Parkplätze erweitert werden könnten.
Die Besucher und auch die Helfer gelangen über einen Fußweg durch den bewaldeten Grundstücksteil zum Tierheimvorplatz. Die Anlieferung von Futtermitteln und sonstigen Materialien, das Abholen des vorsortierten Mülls (Mülltrennungsboxen) und die oft sehr spontanen Einsätze des Tierheimfahrzeuges sollen über eine separate LKW-Zufahrt erfolgen, die ohne größeren Aufwand durch das Schottern des vorhandenen Feldweges erstellt werden kann.

Lärmschutz (Nachbarn):

Das vorhandene Wäldchen (ehem. kleine Mülldeponie) schirmt die Stellplätze und auch den Anliegerverkehr vom Tierheimgebäude ab (Lärmschutz für die Freiausläufe). Durch die schallabsorbierende Wirkung des Erdwalles der ehemaligen Mülldeponie entlang der Westseite des Grundstücks, sowie die konsequente Anordnung der zumindest zeitweise geräuschintensiveren Hundehäuser, abgewand von den Nachbarn Tierklinik und den dahinter angesiedelten Schrebergärten, hinter die Baukörper von Verwaltung und Katzenhaus, lassen ein ungestörtes Nebeneinander erwarten: Wenn die Hunde selbst nicht gestört werden, weder durch Straßenverkehr, noch durch Besucher, haben sie auch keine Veranlassung zu bellen.
In Nord-, Ost- und Südrichtung ist keine oder zumindest nur sehr geringe und weit entfernte Bebauung und ansonsten ausschließlich landwirtschaftliche Nutzflächen.

Erschließung (Wasser, Abwasser, Elektro):peter

Die Erschließung des Grundstückes mit den Ver- und Entsorgungsleitungen für Wasser, Abwasser und Elektro sollte separat erfolgen, da ein Anschluss an die vorhandenen Installationssysteme der Tierklinik Gaustadt technisch problematisch und kaum günstiger als ein eigener, unabhängiger Hausanschluss ist.

Alternative Energien/ Ökologie:

Der große Wasserbedarf des Tierheimes kann durch die in der Planung vorgesehene Regenwassersammlung stark reduziert werden. Die Regenwasserrückhaltung durch die gegrünten Teilflächen der Dächer entlastet die Entsorgungskanäle und sorgt für ein ausgeglichenes Mikroklima im gesamten Grundstücksbereich.
Die Erschließung eines eigenen Brunnens wäre zu prüfen (Kosten- / Nutzenrechnung). Die Primärenergie für die notwendige Warmwasser-Fußbodenheizung könnte durch Solarkollektoren oder aber auch durch „Transparente Wärmedämmfassaden“ gewonnen werden. Photovoltaikanlagen sind zum jetzigen Zeitpunkt wirtschaftlich leider noch nicht interessant: Eine Amortisierung der Investitionen kann kaum erreicht werden. Aus ökologischen Erwägungen sollte jedoch das Thema „Photovoltaik“ in jedem Fall geprüft werden.

Baubeschreibung:

Begrünte, hochwärmegedämmte Dächer (Dachneigung ca. 10°) garantieren, außer den bereits erwähnten ökologischen Vorteilen, ein ausgeglichenes Raumklima in allen Bereichen und zu allen Jahreszeiten (im Sommer kühl, im Winter warm). Gleichzeitig sorgen sie für eine gute Einbindung der Baukörper in die vorhandene, sensible Topografie.
Monolithisches Mauerwerk, beidseitig verputzt für die Längswände, mit Bruchstein verkleidete Wandscheiben im Eingangsbereich, Teilbereiche der Außenwandflächen mit geöltem Lärchenholz verschalt. Belichtung der Räume durch Holzfenster und teilweise durch satteldachförmige Verglasungen über den Flurbereichen. Die Gitter der Freiausläufe und die umfangreichen Einfriedungen des Grundstückes, sollten aus verzinktem Stahlgitter sein, teilweise begrünt/berankt.
Die Fußbodenniveaus der drei Hauptbereiche können durch das Grundstücksgefälle vermutlich nicht auf gleicher Höhe angeordnet werden. Höhendifferenzen können jedoch durch Rampen bewältigt werden, so dass ein schwellenreiches Arbeiten möglich wird (Vorteil: Lastentransporte durch Rollwagen etc.). U. a. aus diesem Grund wird auch von einer Unterkellerung abgesehen. Die notwendigen Nebenräume sind erdgeschossig in den einfachen Pultdachbaukörpern angeordnet. Generell sind raumhaltige Dächer vorgesehen, d.h. keine Zwischendecken notwendig.

Funktionen:

Baukörper 1: Allgemeine Räume / Verwaltung / Kleintiere:

Die Besucher erreichen über Schleusen den befestigten Vorplatz und den Allgemeinbereich (Vermittlung, Besucher- Wartebereich, Leiterbüro, Sanitärbereich mit Dusche und getrennten WC-Anlagen etc.). Anordnung von Volieren mit Blickkontakt, sowohl vom Eingangsbereich, als auch vom Vorplatz. Weitere interne Bereiche sind nur zusammen mit dem Personal und den Helfern zugänglich: Teeküche mit zuschaltbarem Versammlungsraum, Kleintierbereich mit Freiausläufen, Arztzimmer und Kühlraum (auch über zweiten Eingang erreichbar).

Baukörper 2: Katzenhaus:

thplan_01Rundbau mit zentraler Futterküche, Belichtung über Oberlichter und verglaste Außentüren. Kurze Wege zu den unterschiedlich großen Katzenzimmern, die teilweise untereinander verbunden werden können (jeweils 2 Einheiten). Der separate Quarantänebereich wird im nächsten Planungsschritt etwas größer vorgesehen. Das Katzenhaus ist, wie alle anderen Bereiche auch, über eine Schleuse erreichbar. Untergeordnete Funktionsräume wie Mülltrennung, Abstellräume für Käfige etc. sind in günstigerer Bauweise konzipiert und als leichte Holzbauten vor den massiven Baukörpern vorgesehen (dies ebenso beim Kleintier- und Carportbereich).

Baukörper 3: Hundehäuser:

Halbe Anlage mit einfachen Pultdachhäusern und zugeordneten Ausläufen und doppelte Anlage mit Satteldach; untereinander durch Sicht- und Schallschutzzäune getrennt, um die Lärmbelästigung möglichst gering zu halten. Die Achsmaße der Innen- und Außenräume (Hundezimmer) betragen zwischen 1,50 und 3,00 m, so dass Nutzflächen in den Hundezimmern von 3 bis 9 Quadratmeter und zugeordnete Freiauslaufflächen von 6 bis 12 Quadratmeter zur Verfügung stehen.
Zentrale Anordnung von Futterlager und Abstellraum für alle Bereiche, sowie Wasch- und Trockenraum.
Futterküche, Hundebad und Quarantäne an zentralen Stelle zwischen den beiden Hundehäusern. Heizung / Hausanschlussraum am Ende des Gebäudes, mit zugeordnetem Außentank für Flüssiggas. Überdachter Bereich für das Aufhängen der großen Wäschemengen (Decken etc.) und weitere damit wetterunabhängiger Aktivitäten.
Freiausläufe für Gruppenhaltung der Hunde mit wettergeschützten Unterständen und kleinen Holzhütten. Modelliertes Außengelände mit Sträuchern und Bäumen als Sonnenschutz. Zu den Grundstücksgrenzen hin generell begründete Einfriedungen, Hecken und Sträucher.

Baukörper 4: Carport / Außengeräteschuppen:

Das Tierheimfahrzeug ist in einem doppelten Carport vorgesehen und durch eine Schleuse vom Vorplatz getrennt (jederzeit ohne weitere Vorkehrungen benutzbar). Der zweite Carportplatz kann zum trockenen Ausladen von Materialien genutzt werden, die im Außengeräte- (Werkzeug-) und Stauraum auch zwischengelagert werden können. Zwei „Polizeizwinger“ für das tageszeitunabhängige Bringen von Fundtieren.
Mülltrennungsboxen an der westlichen Grundstücksgrenze, zur LKW-Zufahrt orientiert.


Der erste Spatenstich

Nachdem die Baugenehmigung erteilt wurde, erfolgte der erste Spatenstich endlich am Freitag den 10.12.1999. „Was lange währt wird endlich gut“. Mit diesen Worten begrüßte der Oberbürgermeister Herbert Lauer in seiner Rede den späten Beginn des Tierheim Neubaues. Schon 1993 gab es laut dem Tierschutzvereins Vorsitzenden Michael Wonka Überlegungen für einen Neubau. „Die Zustände sind unzumutbar.“ kommentierte er die Lage im Tierheim an der Gundelsheimer Straße.

Der Oberbürgermeister führte aus, dass der bestmögliche Standort im Stadtgebiet gefunden ist und zerstreute Befürchtungen der Gaustadter Bürger, durch den Tierheimbetrieb unzumutbarem Lärm ausgesetzt zu werden. Der Tierschutzverein selbst hat hierzu ein teures und unabhängiges Lärmschutzgutachten in Auftrag gegeben und den gesamten Komplex danach ausgerichtet. Herbert Lauer würdigte auch den finanziellen Kraftakt des Vereins, der neben dem laufenden Geschäftsbetrieb selbst 400.000DM zum Bau beisteuert. Landrat Dr. Günther Denzler schloss sich der Rede an. Der Rohbau muss, laut Architekt Peter Schickel, bis 15. April fertig sein und die Einweihung wird im Herbst stattfinden.

spaten(v.l.) OB Herbert Lauer, Landrat Dr. Günther Denzler, Bauunternehmer Kaspar Reinfelder und 1. Vorsitzender Michael Wonka beim ersten Spatenstich.

Dezember 1999


Neues vom neuen Tierheim

Michael Wonka, 1.Vorsitzender

In der letzten Ausgabe des Vereinsheftes 1999 habe ich Ihnen über den noch recht dornenreichen Weg des Projektes „neues Tierheim“ berichtet. Dieser Bericht endete mit der positiven Entscheidung des Bausenates der Stadt Bamberg über unsere Bauvoranfrage.

Im Anschluss daran haben wir unsere Genehmigungsplanung in Angriff genommen. In einer reichlich turbulenten Jahreshauptversammlung beschloss die Mitgliederversammlung im Mai 1999 mit großer Mehrheit die Billigung der vorgelegten Pläne und beauftragte die Vorstandschaft, das Vorhaben auf der Grundlage dieser Pläne voranzutreiben.

Noch vor der Sommerpause haben wir dann die Baugenehmigung beantragt, deren Erlass sich aber immerhin bis Oktober 1999 hineinzog. Zwischenzeitlich verlangte die Genehmigungsbehörde die Vorlage eines positiven Lärmgutachtens. In diesen sauren (und mit 5000,-DM leider relativ teuren) Apfel mussten wir beißen, weil das Gutachten die Voraussetzung für die Genehmigung war. Im nachhinein stellte sich das Gutachten, das im Übrigen von einem unabhängigen und allseits anerkannten Nürnberger Büro durchgeführt wurde, jedoch als wertvolle Investition heraus.

Die Baugenehmigung wurde durch die Stadt Bamberg erteilt und öffentlich bekannt gemacht. Daraufhin gingen rund 25 Nachbarwidersprüche von Gaustadter und Bischberger Bürgern und der Gemeinde Bischberg ein.

Am 10.12.1999 fand der symbolische erste Spatenstich unter Beteiligung von Herrn Oberbürgermeister Lauer und Herrn Landrat Dr. Denzler statt.

Noch vor Weihnachten wurden von der Gemeinde Bischberg und einem Bischberger Bürger Anträge in einem Eilverfahren zum Verwaltungsgericht Bayreuth gestellt, mit dem Ziel, die aufschiebende Wirkung der Widersprüche, also letztlich den Baustopp zu erreichen. Vorgetragen wurde dort, dass das Vorhaben an dieser Stelle überhaupt nicht realisiert werden dürfte. Dies zum einen, weil es planungsrechtlich nicht zulässig sei und zum anderen, weil das Tierheim wegen befürchteter Lärmbelästigungen nicht genehmigungsfähig sei.

Die Stadt Bamberg und der Tierschutzverein haben sich gegen diese Anträge gewandt. Schließlich hat das Verwaltungsgericht Bayreuth die Anträge zurückgewiesen. In der Begründung wies das Verwaltungsgericht darauf hin, dass nach dem eingeholten Lärmgutachten schädliche Lärmeinwirkungen nicht zu befürchten seien.

Witterungsbedingt, aber auch wegen dieser anhängigen Gerichtsverfahren, waren die Bauarbeiten unterbrochen und konnten erst nach der Gerichtsentscheidung wieder aufgenommen werden. Dadurch ist uns natürlich ein erheblicher zeitlicher Verzug entstanden, den es jetzt durch erhöhte Anstrengungen aufzuholen gilt.

Unsere Hoffnung, dass die juristischen Probleme jetzt hinreichend entschieden wären, wurden allerdings wiederum enttäuscht. Inzwischen haben beide Antragsteller Zulassungsbeschwerde zum Verwaltungsgerichtshof München erhoben mit dem Ziel, die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Bayreuth aufheben zu lassen und den begehrten Baustopp durchzusetzen. Zum Zeitpunkt dieses Berichts hat der Verwaltungsgerichtshof noch nicht entschieden.

Nach eingehender Beratung sahen wir uns im Vorstand und Beirat aber veranlasst, den Bau fortzusetzen, was nunmehr auch mit Hochdruck geschieht.

Sie können versichert sein, dass alles unternommen wird, um das Projekt so rasch als möglich zu verwirklichen, weil die bestehenden Zustände im Tierheim am bisherigen Standort für Mensch und Tier nicht länger zumutbar sind. Dabei gilt es, gewaltige Arbeit zu leisten. Wir haben deshalb inzwischen einen Bauausschuss ins Leben gerufen, der fast wöchentlich tagt. Dabei haben wir uns zum Ziel gesetzt, den Umzug noch im Jahr 2000 zu verwirklichen. Trotz aller Nackenschläge, die wir sicher auch in Zukunft noch erhalten werden, werden wir alles daran setzten, dieses Ziel zu erreichen. Darauf können Sie sich verlassen!

Frühjahr 2000


Die Baustelle

 


Der Tierheimumzug

23.03.2002
WIR SIND UMGEZOGEN! ENDLICH IM NEUEN TIERHEIM!

Es ist der 23.März sehr früh morgens. Das Wetter ist zwar – entgegen Wetterbericht – schön, aber es ist bitterkalt. Schlotternd trifft ein Helfer nach dem anderen im alten Tierheim ein. PKWs, Kombis, Kleinlaster parken vor der Tür. Kribbelnde Spannung liegt in der Luft. Jeder ist aufgeregt. Wird alles so klappen, wie geplant?

Unser Tierheimleiter Hannes Krebs bleibt gelassen. Er mahnt, dass nur die Tiere nichts von der Aufregung merken. Sie sollen als erste ins neue Tierheim gebracht werden. Wenn sie erst mal „aufgeräumt“ sind, kann man richtig loslegen. Alle warten auf sein Startzeichen und dann geht’s endlich los. Jeder schnappt sich ein oder zwei Hunde oder eine Katzenbox, einladen und ab!

Das erste Auto, das am neuen Tierheim eintrifft, gehört unserem Vorsitzenden Michael Wonka. An Bord Tim und Max. Es sind die ersten beiden Tierheimhunde, die das neue Gelände betreten! Über die historischen Bedeutung dieses Moments sind sie sich jedoch nicht klar.

Dann trifft ein Fahrzeug nach dem anderen ein und auf einmal herrscht Leben. Da wird gerufen und gebellt. Wo kommt dieser Hund hin, wo jener. Lisa, die Hundepflegerin, hat alle Hände voll zu tun. Letzte Handgriffe werden noch an den Hundezwinger angelegt. Die Schieber aus dem alten Tierheim wurden in dem Moment abgebaut, in dem der Hund geholt wurde und dann oben eingebaut, bevor der Hund eintraf. Hektik! Dann der Ruf; dass die Schieber nicht aufgemacht werden dürfen, die Hunde müssen in den Innenboxen bleiben. Draußen liegen noch Metallsplitter vom hastigen Einbau. Schnell zusammenfegen, dass sich kein Tier verletzt!
Aufgeregte Suche nach den Schlüsseln für die Ausläufe – die Zwischenstücke für die Wasserschläuche fehlen. Sind sie noch im alten Tierheim? – Strom fällt aus – wo sind Handtücher?
Ein Auto nach dem anderen fährt auf den Hof. Es wird eng, es herrscht Gedrängel, alles wird vollgestellt. Die erste Riege ist schon wieder unterwegs ins alte Heim.
Trotz all dem Durcheinander: alles läuft!
Die Menschen sind fröhlich. Man freut sich. Endlich hat dieses Haus seinen Sinn. Endlich sieht man, wofür die ganze Plackerei. Endlich sind sie da, um die es geht: die Tiere.
Und dann passiert das eigentlich sensationelle. Die Tiere kommen in ihre Zimmer und Ausläufe. Es dauert ein paar Minuten. Vorsichtig werden die Klapptüren getestet, es wird ein bisschen herumgeschnüffelt und geschaut und dann?

Dann merkt man, dass sich die Tiere wohl fühlen, dass es ihnen gefällt, dass sie ein neues, wunderschönes Zuhause haben. Die Katzen strecken und räkeln sich genussvoll. Es ist hell, es ist warm, sie haben große Fenster und Türen, können hinausschauen, die Sonne scheint herein.
Und die Hunde? Die Freiausläufe mit den großen Holzhäusern sind ein Paradies. Schnell haben sie ihren Platz auf der Veranda gefunden und blinzeln in die Sonne. Die Hektik um sie herum spüren sie gar nicht, denn es geschieht alles vor dem Haus. Sie haben Ruhe und genießen den weiten Blick über die Felder, die aufregende Luft des Landes.
Am Nachmittag ist fast alles passiert. Zum Schluss kommt noch die Tierschutzjugend und bringt die letzten Hasen und Kaninchen. Stolz, dass sie auch dabei sein dürfen.

Plötzlich gibt es Probleme mit dem Heißwasser, zwei von drei Herden funktionieren nicht. Ein Hund hat schon ein Schlupfloch im Zaun gefunden. Die Kaninchenställe sind nicht mardersicher. Das muss noch vor der Nacht geregelt werden! Die Freigehege der Katzen zeigen auch bedenklich große Maschenlöcher im Zaun. Alles wird behoben. Fleißige Helfer greifen zu Zange, Kreissäge, Hammer und richten, was dringend zu richten ist. Das andere hat Zeit.

Am Abend ist alles geschafft. Die Tiere schlafen, die Menschen sind erschöpft, aber unheimlich zufrieden und stolz. Wer zieht schon mit einem ganzen Tierheim um? Ein historisches Ereignis und wir waren dabei!
Einer hat Prosecco gestiftet. Den haben sich alle verdient!

Am Ende! Die „Umzugsmädels“ stoßen mit Sekt auf den vollendeten Tag an. Die Männer tranken lieber im Hof ein Bierchen.