Vereinsgründung

Vereinsgründung

Der Bamberger Tierschutzverein konnte 1998 ein ganz besonderes Ereignis feiern: Das 50-jährige Jubiläum. Dies war Anlass, einmal ein bisschen in den Archiven zu kramen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Viele interessante Details zur Geschichte des Tierschutzgedankens in Bamberg konnten ausfindig gemacht werden. An dieser Stelle sei Frau Dr. Wonka gedankt, die sich auf die mühsame Suche in staubigen Akten gemacht hat.

altes_logo     Vereinslogo in den ’80ern

Die Geschichte des Tierschutzes

Der Mensch lebt, seit er die Erde bewohnt, in Gemeinschaft mit Tieren. Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier wurde und wird vom jeweiligen Stand der Kultur und der Religion bestimmt. In frühen Kulturen wurde Tiere nicht selten als Gottheiten angesehen und man billigte ihnen magische Kräfte zu, Gedankengut, das bisweilen auch heute noch fortlebt. So nagelt man in manchen Gegenden tote Eulen an Scheunentore, um Gefahren fernzuhalten.
Von erheblichem Einfluss auf das Verhältnis Mensch-Tier ist die Religion. Während in Indien Kühe heute noch als heilig behandelt werden, hat in der jüdischen und christlichen Religion das Tier als Gegenstand religiöser Verehrung keinen Platz gefunden. Die Schöpfung des Tieres geschah ausdrücklich im Dienste des Menschen, wenngleich betont wird, dass nur ehrbare und vernünftige Ziele verfolgt werden dürfen. Doch trotz dieser positiven Ausgangssituation kam es gerade im christlichen Kulturkreis zu einer Unterbewertung des Tieres und es kann sich der Gedanke des Tierschutzes bis heute nur schwer durchsetzen. Viele Tierquälereien könnten verhindert werden, wenn die christlichen Kirchen im Sinne der Bibel für die Tiere eintreten würden.
Auch in rechtlicher Hinsicht war die Stellung des Tieres eine ganz differenzierte. Zu biblischen Zeiten wurden laut Codex Hammurabi Tierhalter, die ihr Vieh zu hart arbeiten ließen, mit Strafe belegt und im Mittelalter musste für zu Unrecht erschlagene Tiere ebenfalls ein Strafgeld bezahlt werden. Es gab auf weltlicher und kirchlicher Seite zu dieser Zeit Tierverträge, Tierprozesse und Tierstrafen. Bei einem derartigen Prozess wurde ein Schwein, das ein Kind verletzt hatte, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Bei der Hinrichtung mussten andere Schweine zusehen. In England setzten sich solche Dinge bis ins 19.Jahrhundert fort und aus diesem Grund entstand dort 1822 erstmals ein Gesetz, das Tierquälerei als Straftat verfolgte.
Auch in den deutschen Staaten kam es bald darauf zu befriedigenden Verboten der Tierquälerei. Das Strafgesetzbuch für das deutsche Reich vom 15.5.1871 bedrohte denjenigen mit Geldstrafe oder mit Haft, der „öffentlich oder in aergerniß erregender Weise Thiere boshaft quält oder roh mißhandelt“. Diese Vorschrift wurde in der Folgezeit verschärft und schließlich durch das Reichstierschutzgesetz vom 24.11.1933 abgelöst. Was die damaligen Gesetzgeber noch nicht bedenken konnten, weil es das Problem noch nicht gab, war die Massentierhaltung mit allen Nebenerscheinungen. Nach langwierigen Vorarbeiten wurde das Reichstierschutzgesetz am 24.7.1972 durch ein neues Gesetz ersetzt. Dieses geänderte Tierschutzgesetz blieb weit hinter den Vorstellungen des Tierschutzes zurück. Eine Novellierung trat 1987 in Kraft, eine letzte, vom Bundestag beschlossene Änderung wurde 1998 bestätigt. Auch sie spottet den Vorstellungen eines realen Schutzes der Tiere vor der Ausbeutung des Menschen Hohn.

50 Jahre Tierschutzverein Bamberg e.V

50 Jahre Tierschutzverein Bamberg e.V., eine lange Zeit des oft nicht einfachen Durchhaltens, doch hätte es nicht in unserem Jahrhundert zwei Weltkriege gegeben, so könnte der Bamberger Tierschutzverein auf eine noch viel längere Tradition zurückblicken.
Schon am 17.April 1876 schrieb der Bezirksarzt der Stadt Bamberg an den Magistrat zwecks Gründung eines Tierschutzvereins. Es dauerte nur drei Wochen, bis am 7.Mai der „Bamberger Thierschutz-Verein“ aus der Taufe gehoben wurde. Bei der Gründungsversammlung betonte der damalige erste Vorsitzende, der praktische Arzt Dr. Schweitzer, dass es bereits seit dem Jahr 1836 in Bamberg Bestrebungen gäbe, Tierquälerei zu bekämpfen. Leider führt er nicht aus, wie diese Bestrebungen ausgesehen haben. Nun jedenfalls sei die Zeit gekommen, den Zielen des Tierschutzes durch eine Vereinsgründung sicheren Boden zu geben. Diese Ziele kann man in den „Statuten “ nachlesen, die mit der Gründung schriftlich festgelegt wurden:

§ 1 ZWECK DES VEREINS
ist, durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel jeden nutzlosen, boshaften, leichtsinnigen und grausamen Mißhandlungen und Quälereien der Tiere vorzubeugen und selbe möglichst zu verhindern oder doch in vielen Beziehungen zu mindern und durch Gewöhnung an Mitleid die Humanität zu fördern….
Bemerkung: Der Verein kann sich vorläufig nur auf das Stadtgebiet beschränken und behält sich eine etwaige Erweiterung desselben der Ausschuß vor.

§ 2 ZUR ERREICHUNG DIESES ZWECKS
verpflichten sich die Mitglieder:
1. keine Thierquälerei selbst auszuüben
2. die Verhütung derselben … nach Kräften zu bewirken und zwar entweder durch geeignetes Verbot an die Angehörigen oder Untergebenen oder durch Belehrung, endlich
3. allen zu ihrer Kenntnis gelangenden Thierquälereien ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und nöthigenfalls persönlich, oder, was wohl das zweckmäßigste sein dürfte, durch Vermittlung des Ausschusses gesetzliche oder obrigkeitliche Hülfe in Anspruch zu nehmen.
BEMERKUNG: Der Veterinärclub in Bamberg wird die Bestrebungen des Thierschutzvereins nach allen Richtungen hin unterstützen und fördern helfen und er wird es stets als seine Ehrensache betrachten, mit Rath und Tath dem Ausschusse des Thierschutzvereins beistehen zu können.

§ 3 MITGLIED DES VEREINS
kann jeder Einwohner der hiesigen Stadt und Umgebung werden, und zwar ohne Unterschied des Standes und Geschlechts…

§ 4 DIE AUFNAHME
verpflichtet zur Zeichnung eines Beitrages, worauf dem Mitglied gegen eine besondere Vergütung die Satzung des Vereins, eine Mitgliedkarte und eine Quittung über den Empfang des Jahresbeitrages ausgehändigt werden.

Als einmaliger Vereinsbeitrag wurde für das Jahr eine Reichsmark festgesetzt, ohne jedoch hiebei der Mildthätigkeit vorgreifen zu wollen…. Dem Einsammler der Geldbeträge sind von jedem Mitgliede 20 Pfennig zu entrichten.
Die hiesigen Herren Lehrer sind von der Entrichtung von Beiträgen befreit, sie werden jedoch freundlichst gebeten, dem Thierschutzverein ihre gütige Aufmerksamkeit zuzuwenden und die Jugend auf den Zweck des Vereins aufmerksam zu machen.
…..

§ 8
Einmal im Jahr beruft der Vorstand eine Generalversammlung, um Bericht zu erstatten über die entwickelte Thätigkeit, sodann, um die Angelegenheiten des Vereins zur Sprache zu bringen und neue Beschlüsse zu veranlassen.
Bemerkung: Behufs ausgebreiteter Besprechungen und zu freundschaftlichem Gedankenaustausche der Mitglieder unter einander können nach Gutdünken des Ausschusses sogenannte kleinere Berathungs-Versammlungen in der Zwischenzeit anberaumt werden (sog.Deliberationsversammlungen). Hiebei können von jedem sich hiezu berufen Fühlenden Vorträge gehalten werden, welche die Gemüther für die sache des Vereins beleben und aneifern. Vorzügliche Reden sollen gedruckt und möglichst verbreitet werden.“

Schlußbemerkung: Auf daß der Verein eine bessere Repräsentation nach Außen zu beanspruchen vermag, so wird er als solcher dem Münchner Thierschutzverein, dem corporative Rechte verliehen wurden, sich anschließen und an denselben einen gewissen, jedoch nicht zu hoch gegriffenen, jährlichen Beitrag bezahlen, um andererseits dafür Schriften, Lektüren usw. unentgeldlich zugeschickt zu erhalten.“

Diese Statuten wurden im Jahr 1878 geringfügig überarbeitet und nun als „Gesellschaftvertrag“ bezeichnet. Der Verein wird jetzt als „anerkannter“ Verein genannt, hatte sich inzwischen auch auf das Umland erweitert und offenbar wieder vom Münchner Verein unabhängig gemacht.

Als Ehrenmitglieder des Vereins werden der Regierungspräsident von Oberfranken, der kgl. Hoftierarzt und 2.Vorstand des Münchner Vereins sowie eine Frau von Schwartz (Elpis Melena), Privatiere zu Khalepa auf der Insel Kreta genannt.
Den Vorstand des Vereins führten Dr. F. Schweitzer, praktischer Arzt und Ferd. Loé, Kaufmann und Handelsgerichtsrat. Den Ausschuss bildeten 8 Personen, davon drei Stabsveterinäre (2 davon außer Dienst), 2 Ökonome, 1 Militärarzt, 1 Bezirksgerichtsrat und 1 Generalmajor a.D.
Insgesamt hatte der Verein 145 Mitglieder. Das gedruckte Verzeichnis aus dem Jahr 1876 belegt, dass es Honoratorien der Stadt und gut verdienende Kaufleute waren, die sich als erste zusammengeschlossen haben, um gegen Tierquälerei vorzugehen. In erster Linie waren es die Zugtiere, also Ochsen, Kühe und Pferde, um die man sich Sorgen machte, weil sie von ihren Besitzern selten gut behandelt wurden. 1871 war im Strafgesetzbuch des Deutschen Reiches Geld- oder Haftstrafe demjenigen angedroht worden, der „öffentlich oder in Aergerniß erregender weise Thiere boshaft quält oder roh mißhandelt“. daran kann man sehen, dass es bei diesem „Tierschutzgesetz“ weniger um das Tier, als um die Vermeidung öffentlichen Ärgernisses ging. Diesen Missstand abzuschaffen, hatte sich der neu gegründete Bamberger Tierschutzverein zur Aufgabe gemacht.

Doch der anfänglichen Euphorie war offenbar ein schnelles Ende beschieden. Wie aus den spärlichen historischen Akten dieser Zeit hervorgeht, vermachte 1889 ein Advokat aus Budapest, Dr. Rökk, dem Verein die Riesensumme von 50.000 Gulden, die jedoch nie ausgezahlt werden konnte, denn der Bamberger Tierschutzverein existierte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, lediglich eine „Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften“ mit einer „Sektion für Thierschutz“.

Doch dass man in Sachen Tierschutz in Bamberg nicht untätig blieb, beweist die Neugründung des Tierschutzvereins am 2.11.1899 im damaligen Cafe Schubert. Am 6. Februar 1900 wurde der Verein in Vereinsregister eingetragen. Das sofort gedruckte Mitgliedsverzeichnis wies 310 Namen auf. Das größte Ereignis der Vereinsgeschichte war die Teilnahme der Vorstandschaft am Anti-Vivisektionskongress in London, wo gegen Versuche am lebenden Tier protestiert wurde. So aktiv sich diese kleine Vereinigung Gleichgesinnter auch zeigte, hat der Verein den 1. Weltkrieg jedoch nicht überlebt. Im Zuge der Neuorganisation und Gleichschaltung der deutschen Tierschutzvereine (Entschließung des Staatsministeriums des Innern am 26.1.1934) ist zu lesen: „Der Tierschutzverein Bamberg ist aufgelöst“. Wann die Auflösung geschah ist unbekannt. Man sprach von „nach dem Weltkrieg“. Die Gründe waren finanzieller Art.

1935 war der Reichstierschutzbund gegründet worden, dessen Vorsitzender am 11.4.1939 an den Bürgermeister Bambergs schreibt:
„Es ist der Wunsch unseres Führers und Reichskanzlers, dass es im 3. Reich keine Tierquälerei mehr gibt. Der Leiter des Reichstierschutzbundes…hat…den Auftrag erhalten, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen.
…Deshalb besteht der Wunsch, auch in Bamberg einen Tierschutzverein zu gründen. Wir wären ihnen zu Dank verpflichtet, wenn Sie uns recht bald wissen ließen., ob und mit welchen Aussichten g.F. in Bamberg ein Tierschutzverein gegründet werden kann. Wenn Sie uns einen geeigneten Volksgenossen, der tierfreundlich eingestellt und in der Lage ist, einen Tierschutzverein zu führen, benennen, so werden wir mit dem von Ihnen benannten Volksgenossen unmittelbar die Gründungsverhandlungen führen. “
Doch trotz intensiver Bemühung gelingt es nicht, eine geeignete Person zu benennen. Die ablehnenden Argumentationen sind vielfältig. So schreibt der befragte Amtstierarzt am 9.5.1939: Da „ich bereits mehrere Nebenämter zu versehen habe, bin ich leider nicht imstande, dem Vorschlag…zu entsprechen. nach meiner Auffassung eignet sich zum Gründer und Leiter eines Tierschutzvereins in Bamberg am besten ein Pensionist, der als Tierfreund bekannt das Vertrauen der NSDAP genießt und Zeit dazu hat, sich um die Neugründung auch entsprechend anzunehmen.“
Am 14. Juli 1939 findet man die resignierende Aktennotiz: „In Bamberg, einer Stadt mit fast 60.000 Einwohnern, sollte es doch möglich sein, eine Person zu finden, die bereit und in der Lage ist, den Tierschutzverein zu führen!“
Die Suche geht verbissen weiter:

4. August 1939, Postoberinspektor: „Infolge meiner starken Beanspruchung als Referent für das Jagdhundewesen…sowie aus Gesundheitsrücksichten (chronische Leber- und Gallenerkrankung) ist es mir leider nicht möglich….“

15. August 1939, Forstoberinspektor a.D.: „Ich bin leider nicht in der Lage, die Führung des Tierschutzvereins in Bamberg zu übernehmen, nachdem ich die Betreuung des großen jagdgebietes von Kreisjägermeister Veit übernommen habe.“

17. August 1939, Stadtinspektor: „Gegen mich ist zur Zeit ein Dienststrafverfahren anhängig. Unter solchen Umständen ist es mir nicht möglich, eine führende Stelle in dem hier zu gründenden Tierschutzverein zu bekleiden.“

Am 8. September 1939 erklärt sich endlich der verrentete Forstoberinspektor Baer bereit, bittet aber zur Gründung „normale politische Verhältnisse“ abzuwarten. Als 1940 der Reichstierschutzbund erneut drängt, lehnt Baer nun wegen seiner Schwerhörigkeit ab. Nach langem Suchen findet sich Veterinärrat Dr. Schwab bereit, schreibt jedoch am 30.1.1941: „Da ich zum 1.3.41 nach dem Generalgouvernement in Warschau dienstverpflichtet wurde, bin ich leider nicht mehr in der Lage, die Belange des Reichstierschutzbundes in Bamberg zu vertreten. Die bisher angefallenen Unterlage habe ich daher heute dem Polizeireferat beim Oberbürgermeister der Stadt Bamberg zurückgegeben.“

Am 24.7.1943 trifft ein letztes mal ein Schreiben des Reichstierschutzbundes mit der dringenden Bitte der Vereinsgründung in Bamberg ein. Doch die politischen Umstände hatten sich inzwischen derart zugespitzt, dass das gewünschte Ziel wiederum nicht erreicht wurde. Tierschutz und Tierliebe sind letztlich auch Gedanken und Gefühle, die nicht verordnet werden können. Sie müssen aus den Menschen selber kommen.

Ein Mensch, bei dem dieses Gefühl von innen kam, war in den Nachkriegsjahren Rudolph Michel, ein Heimatvertriebener aus Aussig, der schon in seiner Heimat einen Tierschutzverein geleitet und dort eine Vereinszeitung herausgegeben hatte. Am 21.2.1948 suchte er per Zeitungsannonce in Bamberg Gleichgesinnte zur Gründung eines Tierschutzvereins und erhielt promt 29 Zuschriften. Am 9.3.1948 fand die Gründungsveranstaltung im Gasthaus Maisel statt. 13 Personen waren der Einladung von Herrn Michel gefolgt. Nach Erarbeitung einer Satzung, die der heutigen weitgehend glich (nach dem Vorbild des Münchner Tierschutzvereins), suchte man im Mai um Lizensierung des Vereins nach, für den inzwischen Oberbürgermeister Weegmann das Protektorat übernommen hatte. Doch erst am 16. Juli 1950 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. Die Gründe für die lange Verzögerung sind unbekannt.
Noch im Jahr der Eintragung fasste man den Gedanken, ein Tierheim zu bauen. Die Mittel des Vereins reichten für die Umsetzung jedoch bei weitem nicht aus. Man erhoffte sich Unterstützung beim Bayerischen Ministerpräsident: „…Unser Verein möchte gerne gleich anderen Städten ein Tierasyl errichten. Darin sollen herrenlose Tiere bis zur Gewinnung eines neuen Herrchens oder Frauchens betreut werden, auch kranke Tiere sollen Hilfe und Pflege erhalten. Desgleichen sollen Tiere von zeitweise abwesenden oder kranken Besitzern in Pflege genommen werden. Um die Anlage späterhin rentabel gestalten zu können, sehen wir die gleichzeitige Errichtung eines Wohnhauses auf dem Komplex vor. Darin soll der Pfleger kostenlos wohnen, während 2-3 Mietparteien gegen Mietezahlung untergebracht werden könnten…
Durch die Errichtung der Anlage mit Wohnhaus würde nicht nur ein Tierasyl modernen Art entstehen, sondern auch i.S. des sozialen Wohnungsbaus gehandelt werden.

alter_briefkopfBriefkopf aus den ’50ern

Nun aber kommt der wunde Punkt… Unser Verein zählt… erst etwas über 200 Mitglieder. Es ist uns kaum möglich einen herrenlosen Hund nur 8 Tage zu füttern. Die Gönner sind ausgestorben. Zur Erreichung des gesteckten Ziels wären einschließlich aller Unkosten ca. 70.000 DM erforderlich. Momentan eine hohe Summe, die sich aber reichlich bezahlt machen würde.

Nun habe ich mir gedacht, daß Sie, Herr Ministerpräsident als Sohn Bambergs am ehesten Verständnis für die Sache aufbringen würden… Ich bitte Sie höflichst wie innig, den Brief nicht achtlos beiseite zu legen, sondern uns zu helfen.“
Dieses Schreiben wurde von der Bayerischen Staatskanzlei an den Oberbürgermeister von Bamberg weitergeleitet, mit der Bitte, sich mit dem Tierschutzverein in Verbindung zu setzen und ihn von der Unmöglichkeit seines Vorhabens zu überzeugen.

1954 gelang es dem Verein an der Memmelsdorfer Straße in der Nähe des HWKW „wenige Meter von dem Denkmal für den treuen Schäferhund entfernt“ von der Forstdirektion ein Gelände zu pachten. Das Gelände erschien, so damals der FT, durch seine Lage am Hauptsmoorwald besonders geeignet, zudem es noch von einem Bach durchflossen wird, der später als „Hundebadeanstalt“ dienen soll. „Mittelpunkt der Anlage ist ein geräumiges Holzhaus, zwischen dessen massiven Wänden nun die Mannen – man muß sie ob ihres Idealismus bewundern – feste Boxen … einbauen“. Die ersten Tiere waren alsbald eingezogen.

Mit einer groß angelegten Werbeaktion versuchte man, weitere Mittel zum Ausbau zu sammeln.

Am 18.2.1956 wird aus einem Schreiben der Forstdirektion klar, dass man es gerne sähe, wenn das Tierasyl in der Memmelsdorfer Straße verschwände. Der Pachtvertrag für das Grundstück lief bis 1958. Der Verein trat mit der Stadt in Verhandlungen, wobei das Grundstück weniger ein Problem war, als die Finanzierung eines Tierheimneubaues. Man will versuchen – wie das in anderen Städten längst üblich sei – 10 Prozent der Hundesteuer zu erhalten, eine nicht unbeträchtliche Summe. Weiterhin erhoffte man sich ein günstiges Darlehen seitens der Stadt oder der Sparkasse und eine Beteiligung der Gemeinde.
Doch erst 1965 war es soweit. Dank großzügiger Unterstützung der Stadt und vieler Spender konnte auf dem neuen Gelände in der Gundelsheimer Straße 110 zunächst ein Hundehaus mit 24 Zwingern gebaut werden.

altes_logo_1Das Vereinslogo in den ’60ern

1975 erweiterte man das Tierheim um ein Katzenhaus mit 4 heizbaren Gehegen zur Unterbringung von ca. 70 Katzen. Leider war das Tierheim mit bis zu 80 Hunden und 120 Katzen oftmals völlig überbelegt, so dass dann keine Tiere mehr Aufnahme finden konnten und an Tierheime in der Umgebung weiterverbracht werden mussten.

altes_tierheim_70altes Tierheim an der Gundelsheimer Straße in den ’70ern

Im April 2002 war es dann schließlich soweit. Nach vielen Anstrengungen zog der Tierschutzverein Bamberg schließlich in sein neues Tierheim „Berganza“ an der Rothofer Weg in Bamberg-Gaustadt.

Der Tierschutzverein heute – ein modernes Diensleistungsunternehmen

Die Aufgaben des Tierschutzvereins haben sich heute gewandelt, weniger geworden sind sie nicht. Früher befasste man sich mit Pferdeschindern oder dem „Gänseschoppen“, wie man es im Bambergischen nannte. Das Stopfen war gang und gäbe. „Diese Tierquälerei ist schwer zu unterbinden, weil fast in jedem Haushalt zu diesem Zwecke Gänse gehalten werden“ klagt ein altes Vereinsprotokoll. Das Gänsestopfen ist in Deutschland inzwischen völlig verboten. Produkte dieser Tierquälerei kommen jetzt nur aus dem Ausland zu uns.
Heute geht es um Massentierhaltung, Schlachttransporte, Tierversuche…. Die Quälerei von Haustieren nimmt dabei nur einen kleinen Teil ein. Doch für einen lokalen Verein steht dieser kleine Teil an erster Stelle, weil er direkt vor unserer Haustüre geschieht. Im Schnitt werden pro Jahr 350 Hunde und 450 Katzen, dazu bis zu 100 Kleintiere aufgenommen. Entlaufene Tiere werden an die Besitzer zurückgegeben. Herrenlose Tiere werden so schnell als möglich weitervermittelt, denn jeder Tag bedeutet hohe Kosten für den Verein. Die Abgabe unserer Tiere an neue Besitzer machen wir uns nicht einfach. Vorkontrollen und Nachkontrollen sind Routine und werden ausschließlich von ehrenamtlichen Tierschutzinspektoren durchgeführt. Nicht selten werden die neuen Besitzer in langen Gesprächen beraten und erhalten auch praktische Hilfe. Sie können den ausgewählten Hund bei Gemeinschaftsspaziergängen schon im Vorfeld kennen lernen und sich mit ihm anfreunden.
In diesem Sinne sehen wir unseren Verein auch als modernen Dienstleistungsbetrieb, der durch Beratung und praktische Hilfe immer zur Seite steht. Wir sind dem Deutschen Tierschutzbund als Dachverband angeschlossen und haben damit Zugriff auf das Haustierregister. Das erleichtert wesentlich das Auffinden der Besitzer entlaufener Hunde. Unterstützend wurde eine Lesegerät für Microchips angeschafft, das markierte Tiere identifizieren kann. Wir werden alsbald im Internet zu finden sein, waren schon mehrfach im Videotext, nutzen also alle Möglichkeiten der modernen Telekommunikation.

sat1textDie Internetseite im Videotext (1998)

Der Tierschutzverein kümmert sich außerdem um Anzeigen gegen Tierquälerei und um die Versorgung in Not geratener Tiere auch außerhalb des Tierheimes, wobei Größe und Art des Tieres keine Rolle spielt ( im letzten Jahr kümmerten wir uns um exotische Vögel, Frettchen, Gerbils, Kamele oder Flughunde, von den gängigen deutschen Tierrassen brauchen wir nicht zu sprechen.). Enge Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt, der Polizei, der Staatsanwaltschaft und den Amtsveterinären ist dabei selbstverständlich.

Auch für überregionale Themen setzen wir uns ein, sei das durch Unterschriftensammlungen gegen Schlachttiertransporte, Gänsestopfleber, Schächten, Massentierhaltung und und und….. Wir sind aktives Gründungsmitglied der „Interessensgemeinschaft fränkischer Tierschutzorganisationen (IFT)“. Gemeinsam mit 21 anderen Vereinigungen erhoffen wir uns mehr Gehör bei Politikern. Wir unterstützen andere Organisationen, deren Arbeit wir als wichtig erachten, wie „AKUT e.V. – Aktion Kirche und Tiere (lesen Sie hierzu unseren Artikel „Europa, erbarme dich!“)
All diese Aktivitäten und auch der Betrieb eines Tierheimes kosten viel Geld. Heizung, Strom, Wasser, Futter, Personal und v.a. Tierarztkosten fressen Jahr für Jahr ca. 350.000 DM, die durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Aktionen und Zuschüsse aufgebracht werden müssen. Dass die Devise des Vereins „Sparen“ heißt, dürfte unter diesen Umständen jedem klar sein. Doch sparen allein genügt nicht.

 

altes_tierheim_1999altes Tierheim 1999

Wir versuchen in den letzten Jahren – und das mit Erfolg – eine Art modernes Marketing zu betreiben. D.h. mit Werbeaktionen und Öffentlichkeitsarbeit sind wir ständig präsent. Dies geschieht durch wöchentliche Veröffentlichungen von Tieren in der Zeitung und regelmäßige Artikel zu aktuellen Themen. Die Zusammenarbeit mit den Medien funktioniert hervorragend und verdient Dank. Zu diesen Medien gehört nicht nur die Lokalzeitung „Fränkischer Tag“ sondern auch das Lokalradio, das uns ebenfalls wöchentlich die Präsentation eines Tieres ermöglicht. Überregional ist es uns gelungen im Bayerischen Fernsehen in der Sendung von Hans Clarin aufzutreten und kürzlich konnten wir uns im Hessischen Fernsehen in der Sendung „Herrchen gesucht“ vorstellen. Auch das Regionalfernsehen „Oberfranken TV“ hat sich bereits mit unserem Verein beschäftigt.
Durch diese breite Öffentlichkeitsarbeit versuchen wir, das Spendenaufkommen zu erhöhen, wobei wir als weitere Werbemittel z.B. bedruckte Kugelschreiber, für die Kinder „Buttons“, Aufkleber, bedruckte T-Shirts und Sweatshirts abgeben.
Flugblattaktionen, die unseren Verein vorstellen, unsere kostenlose Vereinszeitschrift, Teilnahme an der jährlichen Katzenausstellung, Weihnachtsmarkt, Tag der offenen Tür, Infostände sind weitere Mittel zum Zweck. In vielen Läden der Stadt und im Umland stehen Spendendosen für den Verein, Hauslistensammlung und und und …. Jeder Pfennig zählt.
Inzwischen hat der Verein 1450 Mitglieder und ist damit einer der größten Vereine der Stadt. Das Jubiläumsjahr ist uns Ansporn, das 1500.Mitglied zu begrüßen. Mit verstärkten Werbeaktionen wollen wir dem Vorbild unserer Gründungsväter folgen. Denn wie sie damals stehen wir heute vor gleichen Problemen. Unser Tierheim ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden, vielleicht aber wird auch ein Neubau an anderer Stelle notwendig. Wie damals hoffen auch wir, die heutige Generation von Tierschützern, auf großzügige Mithilfe der Stadt, damit wir weiterhin mit viel Eigenengagement nicht zuletzt auch die Aufgaben der öffentlichen Hand wahrnehmen können.

aufnahms-karte